Morgens im Bus, danach acht Stunden am Schreibtisch, abends auf dem Sofa: Für viele von uns besteht der Tag zum größten Teil aus Sitzen. Weil das so normal geworden ist, merken wir kaum, wie sehr es uns zusetzt. Dabei ist unser Körper für Bewegung gebaut, nicht für stundenlanges Verharren auf einem Stuhl.

Was passiert im Körper, wenn du lange sitzt?

Die Muskeln schalten in den Sparmodus. Beine und Gesäß, die größten Muskelgruppen des Körpers, arbeiten im Sitzen kaum. Dadurch sinkt der Energieverbrauch, und der Körper verarbeitet Zucker und Fette weniger effizient. Auf Dauer steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer wenig Muskulatur nutzt, baut sie außerdem nach und nach ab, und das wirkt sich auf den gesamten Stoffwechsel aus.

Rücken und Nacken stehen unter Dauerspannung. Gebeugter Oberkörper, Blick auf den Bildschirm, Schultern nach vorn: Diese Haltung belastet die Wirbelsäule und führt oft zu Verspannungen und Kopfschmerzen. Die Bandscheiben werden vor allem durch den Wechsel von Be- und Entlastung mit Nährstoffen versorgt. Bleibt dieser Wechsel aus, leiden sie.

Gelenke brauchen Bewegung. Auch der Knorpel in den Gelenken wird durch Bewegung versorgt. Fehlt sie, kann er auf Dauer an Qualität verlieren, und Gelenkschmerzen werden wahrscheinlicher.

Das Herz-Kreislauf-System leidet. Studien zeigen, dass sehr langes Sitzen mit einem höheren Risiko für Herzprobleme verbunden ist. Positiv ist: Schon wenn du einen Teil der Sitzzeit durch Bewegung ersetzt, kann das Risiko spürbar sinken.

Auch der Kopf bekommt etwas ab. Wer viel sitzt, fühlt sich häufig müde und unkonzentriert. Vor allem am Nachmittag sackt die Leistung ab, obwohl man körperlich kaum etwas getan hat. Hinzu kommt ein Ungleichgewicht: Der Kopf arbeitet auf Hochtouren, der Körper bleibt unterfordert. Das kann Stress und schlechte Laune begünstigen.

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Reicht ein Workout nach Feierabend?

Leider nur zum Teil. Sport ist wichtig und tut dir in jedem Fall gut, aber er gleicht eine lange Sitzphase nicht vollständig aus. Entscheidend ist, wie du den Rest des Tages verbringst. Wer morgens eine Stunde läuft und danach zehn Stunden durchsitzt, hat noch immer ein langes Sitzproblem.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 bis 300 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Dazu kommt der Rat, Sitzzeiten insgesamt zu verringern. Die gute Nachricht: Jede Unterbrechung zählt, auch eine kurze.

Fünf kleine Gewohnheiten, die im Büroalltag helfen

  1. Regelmäßig aufstehen. Stell dir einen Timer, zum Beispiel jede Stunde. Dann gehst du kurz umher, holst Wasser oder dehnst dich.
  2. Im Stehen telefonieren. Bei jedem Anruf lohnt sich der Wechsel auf die Beine.
  3. Besprechungen als Spaziergang. Vor allem Gespräche zu zweit funktionieren draußen oft besser als im Konferenzraum.
  4. Die Position wechseln. Wenn möglich, arbeite abwechselnd im Sitzen und im Stehen. Ein höhenverstellbarer Tisch hilft, zur Not reicht auch ein Stehplatz auf einem Regal oder einer Fensterbank.
  5. Den Arbeitsweg nutzen. Eine Haltestelle früher aussteigen, mit dem Rad fahren oder die Treppe statt des Aufzugs nehmen bringt Bewegung, ohne dass du extra Zeit einplanen musst.

Und im Homeoffice?

Zu Hause fällt der Weg zur Arbeit weg, und das Sofa ist nie weit. Deshalb lohnt es sich, bewusst Gründe für Bewegung zu schaffen:

  • Stell das Wasserglas bewusst weit vom Schreibtisch weg.
  • Lege kurze Pausen fest, in denen du einmal um den Block gehst.
  • Ersetze das Pendeln durch einen kleinen Morgenspaziergang. Das gibt dem Tag Struktur.
  • Mache zwischendurch ein paar Kniebeugen, Ausfallschritte oder Schulterkreisen. Zwei Minuten reichen schon.

Wie du es dauerhaft schaffst

Viele Vorsätze scheitern, weil sie zu groß sind. Es hilft, Bewegung als festen Termin zu behandeln, zum Beispiel mit einem Eintrag im Kalender oder einer Verabredung mit Kolleginnen und Kollegen. Setze dir Ziele, die sich im Alltag wirklich umsetzen lassen. Nach einigen Wochen wird aus der Überwindung meist eine Routine, und dann fällt es deutlich leichter.

Mische außerdem verschiedene Bewegungsformen: kurze, kräftigende Einheiten für Muskeln und Koordination, dazu etwas Ausdauer wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Wer es lieber sanft mag, ist mit Yoga oder Pilates gut beraten.

Du musst weder den Job wechseln noch jeden Tag stundenlang trainieren, um etwas zu verändern. Wer das Sitzen regelmäßig unterbricht und im Alltag öfter in Bewegung kommt, tut schon viel für Rücken, Herz und Konzentration. Fang klein an: Steh bei der nächsten Gelegenheit auf, strecke dich und geh ein paar Schritte. Dein Körper wird es dir danken.

 

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Erstellt von Chantal Eswein gestern um 07:30 Uhr